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Wer stimmt mit wem? Die Fraktionen im Bundestag

Bei namentlichen Abstimmungen zeigt sich, welche Fraktionen im Bundestag oft gleich votieren — und welche selten. Ein Chord-Diagramm macht diese Nähe und Distanz auf einen Blick sichtbar. Es ist eine rein beschreibende Karte des Abstimmungsverhaltens: Sie zeigt, wer wie oft dieselbe Mehrheit hatte — nicht, wer mit wem „kann" oder wer recht hat.

Von GURT-Redaktion · 4. Juni 2026

Worum es geht

Bei einer namentlichen Abstimmung wird im Bundestag festgehalten, wie jede einzelne Abgeordnete und jeder einzelne Abgeordnete votiert. Aus diesen Stimmen lässt sich ablesen, welche Fraktionen oft dieselbe Mehrheit bilden — und welche selten zusammenfinden. Das folgende Chord-Diagramm fasst 107 namentliche Abstimmungen der vergangenen Wahlperiode (2021–2023) zusammen: Jede Fraktion ist ein Bogen am Rand, jedes Band dazwischen steht für die Übereinstimmung zweier Fraktionen — je breiter, desto häufiger stimmten sie gleich.

Chord-Diagramm
CDU/CSUSPDGrüneFDPAfDLinke
Daten als Tabelle anzeigen
fraktionAfraktionBuebereinstimmung (%)
SPDGrüne100
SPDFDP98,1
GrüneFDP98,1
AfDLinke52,3
CDU/CSUSPD47,7
CDU/CSUGrüne47,7
CDU/CSUFDP47,7
CDU/CSUAfD46,7
SPDLinke34,6
GrüneLinke34,6
FDPLinke34,6
CDU/CSULinke33,6
SPDAfD19,6
GrüneAfD19,6
FDPAfD19,6
Übereinstimmung im Abstimmungsverhalten der Bundestagsfraktionen, 20. Wahlperiode. Anteil der 107 namentlichen Abstimmungen (Nov 2021–Juli 2023), bei denen zwei Fraktionen dieselbe Mehrheitshaltung hatten. Quelle: Datenanalyse nach Daten des Deutschen Bundestags.Quelle: Datenanalyse des Abstimmungsverhaltens im Bundestag (nach Bundestag-Daten)

Was die Bänder zeigen

Am dichtesten ist das Geflecht innerhalb der damaligen Regierung: SPD und Grüne hatten in allen 107 Abstimmungen dieselbe Mehrheit (100 %), die FDP wich nur in Einzelfragen — etwa zur Impfpflicht — ab (98,1 %). Drei Fraktionen stimmen also fast wie eine. CDU/CSU liegt dazwischen: rund 47,7 Prozent Übereinstimmung mit der Koalition, 46,7 Prozent mit der AfD — als größte Oppositionsfraktion votierte sie teils mit der Regierung, teils dagegen. Die dünnsten Bänder gehören zur AfD: gegenüber den Koalitionsfraktionen nur 19,6 Prozent.

Gleiche Mehrheit heißt nicht gleiche Motive

Auffällig ist die höchste Übereinstimmung der AfD — ausgerechnet mit der Linken (52,3 %), der im Links-rechts-Schema am weitesten entfernten Fraktion. Das ist kein Zeichen inhaltlicher Nähe, sondern Folge der Methode: Wer in der Opposition sitzt, lehnt Regierungsvorlagen häufig ab — und zwei Fraktionen, die mit „Nein" stimmen, zählen hier als übereinstimmend, auch wenn sie es aus gegensätzlichen Gründen tun. Das Diagramm misst gleiches Stimmverhalten, nicht gleiche Überzeugung. Und es zeigt nur namentliche Abstimmungen, die sich auf strittige Fragen konzentrieren — die vielen einvernehmlichen Beschlüsse des Parlaments tauchen hier nicht auf.

Die Karte bildet die 20. Wahlperiode mit ihrer Ampel-Koalition ab. In der laufenden 21. Wahlperiode regieren CDU/CSU und SPD gemeinsam — das Muster verschiebt sich entsprechend. GURT aktualisiert das Diagramm, sobald genügend namentliche Abstimmungen der neuen Periode vorliegen.