Zuwanderung und Arbeitsmarkt: Was die Zahlen zeigen
Die Nettozuwanderung ist seit dem Rekordjahr 2022 stark gesunken — zugleich altert Deutschland und die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Die echten Zahlen zeigen, woher Menschen kommen, warum sie kommen und welche Rolle Zuwanderung für den Arbeitsmarkt spielt. Jenseits der Schlagzeilen ist das Bild vielschichtig.
Von GURT-Redaktion · 1. Juni 2026
Worum es geht
Deutschland ist seit 1957 — mit wenigen Ausnahmejahren — ein Einwanderungsland: Es ziehen mehr Menschen zu als fort. Nach dem Rekord von rund 1,46 Millionen Nettozuwanderung im Jahr 2022 (vor allem Geflüchtete aus der Ukraine) halbierte sich der Wert 2023 auf rund 663.000 und ging 2024 weiter auf rund 430.000 zurück.
Zugleich altert die Gesellschaft: Die Geburtenrate fiel 2024 auf 1,35 Kinder je Frau — den niedrigsten Wert seit 2005 — und die Erwerbsbevölkerung schrumpft. Dieser Wert bezieht sich auf alle Frauen mit Wohnsitz in Deutschland; Frauen ohne deutschen Pass haben mit 1,84 Kindern eine höhere Geburtenziffer als deutsche Frauen (1,23), Zuwanderung hebt den Schnitt also leicht. Vor diesem Hintergrund führen drei Fragen durch den Beitrag: Woher kommen die Menschen? Warum kommen sie? Und welche Rolle spielt Zuwanderung für den Arbeitsmarkt?
Woher die Menschen kommen
Die Herkunft ist vielfältig. 2024 stand die Ukraine zum dritten Mal in Folge an der Spitze, gefolgt von Syrien. Auffällig ist Platz drei: Indien — ein Hinweis auf wachsende Fachkräftezuwanderung. Flucht und Erwerbszuwanderung stehen also nebeneinander.
Daten als Tabelle anzeigen
| Land | Personen | Anteil |
|---|---|---|
| LandUkraine | Personen121.034 | Anteil31,9 % |
| LandSyrien | Personen75.136 | Anteil19,8 % |
| LandIndien | Personen41.300 | Anteil10,9 % |
| LandTürkei | Personen41.140 | Anteil10,8 % |
| LandAfghanistan | Personen32.729 | Anteil8,6 % |
| LandIran | Personen17.522 | Anteil4,6 % |
| LandKosovo | Personen16.836 | Anteil4,4 % |
| LandVietnam | Personen12.070 | Anteil3,2 % |
| LandPakistan | Personen10.949 | Anteil2,9 % |
| LandChina | Personen10.723 | Anteil2,8 % |
Warum sie kommen
Bei Drittstaatsangehörigen wird der Aufenthaltszweck erfasst. 2024 war Asyl der häufigste dokumentierte Grund, gefolgt von Familiennachzug, Erwerbstätigkeit sowie Ausbildung und Studium. Wichtig für die Einordnung: Die große EU-Binnenzuwanderung — überwiegend zum Arbeiten und aus familiären Gründen — taucht hier nicht auf, weil ihr Zweck nicht zentral erfasst wird.
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| Grund | Personen | Anteil |
|---|---|---|
| GrundAsyl (Erstanträge) | Personen229.751 | Anteil54,1 % |
| GrundFamiliennachzug | Personen92.700 | Anteil21,8 % |
| GrundErwerbstätigkeit | Personen52.700 | Anteil12,4 % |
| GrundAusbildung & Studium | Personen49.400 | Anteil11,6 % |
Was der Arbeitsmarkt braucht
Der Zusammenhang zum Arbeitsmarkt ist messbar: 2024 stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern, während die der deutschen Beschäftigten zurückging. Ohne Zuwanderung würde der Arbeitsmarkt also nicht wachsen, sondern schrumpfen. Die größten Fachkräftelücken verzeichnete 2024 das Gesundheitswesen (rund 46.100 unbesetzte Stellen), gefolgt vom Baugewerbe (rund 41.300). Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz und der „Chancenkarte“ will die Bundesregierung die qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten um bis zu 60.000 Personen jährlich erhöhen.
Wie stark Zuwanderung einen einzelnen Engpass-Sektor schon heute trägt, zeigt die Pflege: Im Juni 2023 hatte jede sechste Pflegekraft einen ausländischen Pass (16,2 Prozent, rund 271.000 Personen), in der Altenpflege fast jede fünfte. Binnen zehn Jahren hat sich dieser Anteil grob verdreifacht, während die Zahl der Pflegekräfte mit deutschem Pass seit 2022 zurückgeht — ausländische Beschäftigte federn den demografisch bedingten Rückgang also bereits maßgeblich ab.
| Beruf | Anteil (% der Beschäftigten) |
|---|---|
| BerufAltenpflege | Anteil (% der Beschäftigten)18,9 |
| BerufPflege insgesamt | Anteil (% der Beschäftigten)16,2 |
| BerufKrankenpflege | Anteil (% der Beschäftigten)14,5 |
Wie darüber gestritten wird
Über die Richtung herrscht weithin Einigkeit, über Tempo, Steuerung und Integration wird gestritten. Die folgenden Stimmen spannen das Feld auf.
Schärfer als über den Arbeitsmarkt wird über Asyl- und Grenzpolitik gestritten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt zieht eine positive Bilanz:
„Die Migrationswende wirkt. Die Zahlen gehen zurück.“
— Menschenrechtsorganisationen widersprechen scharf. Wiebke Judith, rechtspolitische Sprecherin von PRO ASYL:
„Mit den sogenannten Return Hubs plant die Bundesregierung nichts anderes als Abschiebelager außerhalb von rechtsstaatlichen Bedingungen.“