Wohnen: Warum so wenig gebaut wird — und die Mieten steigen
Deutschland verfehlt sein Wohnungsbau-Ziel deutlich: 2025 wurden so wenige Wohnungen fertig wie seit über einem Jahrzehnt nicht. Zugleich bleibt die Nachfrage hoch — und die Mieten steigen. Die echten Zahlen zeigen, wie groß die Lücke ist, wer was baut und worüber gestritten wird.
Von GURT-Redaktion · 2. Juni 2026
Worum es geht
Deutschland hat Ende 2024 rund 43,8 Millionen Wohnungen — und baut zu wenige neue hinzu. Die Bundesregierung nennt seit Jahren das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr. Die Wirklichkeit liegt weit darunter: Nach rund 294.000 Fertigstellungen in den Jahren 2021 bis 2023 sank die Zahl 2024 auf 251.900 und 2025 auf 206.600 — den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt.
Zugleich bleibt die Nachfrage hoch. Wo weniger gebaut wird und viele eine Wohnung suchen, steigen die Mieten — besonders in den Städten. Drei Fragen führen durch den Beitrag: Wie groß ist die Lücke? Wer baut was? Und was folgt daraus für die Mieten?
Genehmigt, gebaut — und das Ziel
Die Baugenehmigungen sind ein Frühindikator: Sie fielen von 354.200 (2022) über 260.100 (2023) auf 215.900 (2024) — den tiefsten Stand seit 2010. 2025 stiegen sie erstmals seit 2021 wieder leicht, auf 238.500. Die Fertigstellungen folgen mit Verzögerung nach unten, weil eine Neubauwohnung im Schnitt rund 26 Monate bis zur Fertigstellung braucht.
| jahr | reihe | wohnungen (Wohnungen) |
|---|---|---|
| 2022 | Genehmigungen | 354.200 |
| 2023 | Genehmigungen | 260.100 |
| 2024 | Genehmigungen | 215.900 |
| 2025 | Genehmigungen | 238.500 |
| 2022 | Fertigstellungen | 295.300 |
| 2023 | Fertigstellungen | 294.400 |
| 2024 | Fertigstellungen | 251.900 |
| 2025 | Fertigstellungen | 206.600 |
Ein genehmigtes Vorhaben ist noch kein fertiges Haus: Nach Angaben der Bauwirtschaft sind mehr als 760.000 Wohnungen genehmigt, aber nicht gebaut — der sogenannte Bauüberhang. Viele Projekte stocken an gestiegenen Finanzierungs- und Baukosten.
Wer baut was
Der Neubau verschiebt sich. Die meisten neuen Wohnungen entstehen in Mehrfamilienhäusern, die überwiegend von Unternehmen gebaut werden. Private Einfamilienhäuser brachen dagegen am stärksten ein — die gestiegenen Zinsen treffen vor allem Bauherren, die selbst finanzieren.
- Mehrfamilienhäuser135.300 Wohnungen · 54 %
- Einfamilienhäuser54.500 Wohnungen · 22 %
- Sonstige (Wohnheime, Umbau u. a.)44.500 Wohnungen · 18 %
- Zweifamilienhäuser17.600 Wohnungen · 7 %
- Mehrfamilienhäuser
- Wohnungen in Gebäuden mit drei oder mehr Wohneinheiten (Geschosswohnungsbau).
- Einfamilienhäuser
- Freistehende Häuser mit einer Wohnung.
- Sonstige (Wohnheime, Umbau u. a.)
- Wohnheime sowie neue Wohnungen durch Um- und Ausbau im Bestand.
- Zweifamilienhäuser
- Häuser mit zwei Wohnungen (z. B. mit Einliegerwohnung).
Daten als Tabelle anzeigen
| typ | wohnungen (Wohnungen) | Anteil | Enthält |
|---|---|---|---|
| Mehrfamilienhäuser | 135.300 | 53,7 % | Wohnungen in Gebäuden mit drei oder mehr Wohneinheiten (Geschosswohnungsbau). |
| Einfamilienhäuser | 54.500 | 21,6 % | Freistehende Häuser mit einer Wohnung. |
| Sonstige (Wohnheime, Umbau u. a.) | 44.500 | 17,7 % | Wohnheime sowie neue Wohnungen durch Um- und Ausbau im Bestand. |
| Zweifamilienhäuser | 17.600 | 7,0 % | Häuser mit zwei Wohnungen (z. B. mit Einliegerwohnung). |
Die Folge: steigende Mieten
Weniger Neubau bei anhaltend hoher Nachfrage verknappt das Angebot — und treibt die Preise. Die amtlich gemessenen Nettokaltmieten (Verbraucherpreisindex) steigen seit Jahren stetig; neu angebotene Wohnungen verteuern sich in den Ballungsräumen noch deutlich schneller. Der Wohnungsbau ist damit nicht nur eine Bau-, sondern auch eine soziale Frage.
Wie darüber gestritten wird
Über die Diagnose herrscht weithin Einigkeit, über die Mittel nicht. Schnellere Genehmigungen, bessere wirtschaftliche Bedingungen, mehr sozialer Wohnungsbau, stärkerer Mieterschutz — die folgenden Stimmen spannen das Feld auf.