Umweltschädliche Subventionen: Wohin 65 Milliarden fließen — und warum der Abbau stockt
Der Staat fördert Klimaschutz — und verbilligt zugleich fossile Energie und Verkehr. Das Umweltbundesamt beziffert diese „umweltschädlichen Subventionen“ auf rund 65 Milliarden Euro im Jahr. Sind das verzichtbare Klimakiller oder nötige Entlastungen für Pendler, Landwirte und Industrie? Die echten Zahlen zeigen, wohin das Geld fließt, wer profitiert — und warum der Abbau so schwer ist.
Von GURT-Redaktion · 4. Juni 2026
Worum es geht
Der Staat gibt nicht nur Geld aus, um Klimaschutz zu fördern — er begünstigt zugleich klimaschädliches Verhalten. Das Umweltbundesamt beziffert die „umweltschädlichen Subventionen“ in Deutschland auf rund 65 Milliarden Euro im Jahr (Datenbasis 2018): Steuervergünstigungen und Ausnahmen, die fossile Energie und Verkehr verbilligen. „Umweltschädlich“ ist dabei eine Einordnung des Umweltbundesamts — nicht jede Vergünstigung gilt allen als schädlich.
Drei Fragen führen durch den Beitrag: Wie groß sind diese Subventionen, und wohin fließen sie? Wer profitiert? Und warum ist der Abbau so schwer?
Wie groß — und wohin?
Rund 65 Milliarden Euro im Jahr — und fast die Hälfte davon im Verkehr. Das Umweltbundesamt ordnet die Subventionen vier Bereichen zu; Verkehr und Energie machen zusammen über vier Fünftel aus.
- Verkehr30,7 Mrd € · 47 %
- Energie25,5 Mrd € · 39 %
- Land- & Forstwirtschaft5,9 Mrd € · 9 %
- Bau & Wohnen3,3 Mrd € · 5 %
- Verkehr
- Größter Block — u. a. Dieselprivileg, Steuerbefreiung von Kerosin, Pendlerpauschale und Dienstwagenprivileg.
- Energie
- Energiesteuer-Vergünstigungen für Industrie und Landwirtschaft sowie weitere Ausnahmen.
- Land- & Forstwirtschaft
- Steuervergünstigungen wie der Agrardiesel und weitere Ausnahmen für die Landwirtschaft.
- Bau & Wohnen
- Vergünstigungen mit umwelt- bzw. klimaschädlicher Wirkung im Gebäudebereich.
Daten als Tabelle anzeigen
| bereich | mrd (Mrd €) | Anteil | Enthält |
|---|---|---|---|
| Verkehr | 30,7 | 46,9 % | Größter Block — u. a. Dieselprivileg, Steuerbefreiung von Kerosin, Pendlerpauschale und Dienstwagenprivileg. |
| Energie | 25,5 | 39,0 % | Energiesteuer-Vergünstigungen für Industrie und Landwirtschaft sowie weitere Ausnahmen. |
| Land- & Forstwirtschaft | 5,9 | 9,0 % | Steuervergünstigungen wie der Agrardiesel und weitere Ausnahmen für die Landwirtschaft. |
| Bau & Wohnen | 3,3 | 5,0 % | Vergünstigungen mit umwelt- bzw. klimaschädlicher Wirkung im Gebäudebereich. |
Wer profitiert?
Die größten einzelnen Posten liegen allesamt im Verkehr: das Dieselprivileg (niedrigere Steuer auf Diesel als auf Benzin), die Steuerbefreiung von Flugbenzin (Kerosin), das Dienstwagenprivileg und die Pendlerpauschale. Auffällig: Diese Vergünstigungen entlasten tendenziell höhere Einkommen — wer weiter pendelt, einen teureren Dienstwagen fährt oder mehr verdient, spart absolut am meisten.
| posten | mrd (Mrd €) |
|---|---|
| Dieselprivileg | 9,5 |
| Steuerbefreiung Kerosin | 8 |
| Dienstwagenprivileg | 6,1 |
| Pendlerpauschale | 5,3 |
Ihr Abbau brächte dem Staat zweistellige Milliardenbeträge — und dem Klima messbar weniger CO₂: Allein das Ende des Dieselprivilegs könnte bis 2030 rund 25 Millionen Tonnen CO₂ vermeiden.
Warum der Abbau stockt
Wenn der Nutzen so klar ist — warum bleibt das meiste bestehen? Weil der Abbau konkrete Gruppen sofort und sichtbar trifft, während der Nutzen diffus und später anfällt. Das zeigte sich 2024 am Agrardiesel: Die Regierung baute die Steuervergünstigung (21,48 Cent je Liter) stufenweise ab — Mehreinnahmen rund 450 Millionen Euro im Jahr. Es folgten wochenlange Bauernproteste. Viel größere Posten wie das Diesel- und das Dienstwagenprivileg blieben dagegen unangetastet. „Entlastung“ und „Subvention“ sind eben oft dasselbe, nur aus zwei Blickwinkeln.
Wie darüber gestritten wird
Über die Diagnose — viele dieser Vergünstigungen schaden dem Klima und begünstigen Besserverdienende — herrscht unter Fachleuten weitgehend Einigkeit; über Tempo und soziale Abfederung nicht. Die folgenden Stimmen spannen das Feld auf.